Gilde


Gilde

* * *

Gịl|de 〈f. 19
1. 〈urspr.; 11./12. Jh.〉 Vereinigung für wohltätige Zwecke, später zum gegenseitigen Schutz der Mitglieder (Brand\Gilde)
2. 〈dann〉 Zusammenschluss von Berufsgenossen zur Wahrung ihrer Interessen (Kaufmanns\Gilde, Handwerks\Gilde)
[<mnddt. gilde, Kollektivbildung (ags. z. B. gegilde) zu ahd. gelt, got. gild „Opfer, Zahlung, Steuer, Bruderschaft“; urspr. wahrscheinl. „Opfergelage anlässlich einer eingegangenen rechtl. Bindung“; → Geld]

* * *

Gịl|de, die; -, -n [aus dem Niederd. < mniederd. gilde = Innung; Trinkgelage, urspr. wahrsch. = gemeinsamer Trunk anlässlich eines abgeschlossenen Rechtsgeschäftes, zu Geld od. gelten]:
1. genossenschaftliche Vereinigung bes. von Kaufleuten u. Handwerkern od. Zusammenschluss von religiös Gleichgesinnten (bes. im MA.) zur Förderung gemeinsamer gewerblicher od. religiöser Interessen, auch zum gegenseitigen Schutz der Mitglieder.
2. Gruppe von Leuten in gleichen Verhältnissen, mit gleichen Interessen, Absichten o. Ä.

* * *

Gilde
 
[mittelniederdeutsch »Innung«, »Trinkgelage«, ursprünglich »gemeinsamer Trunk anlässlich eines abgeschlossenen Rechtsgeschäfts«], ursprüngliche Bezeichnung für »Opfergelage«, womit zugleich die kultisch-religiöse wie die gesellige Seite dieses frühmittelalterlichen Genossenschaftswesens zum Ausdruck gebracht wurde; seit karolingischer Zeit Bezeichnung v. a. für die freie Vereinigung von Berufsgenossen (besonders der Fernhändler) zur Förderung gemeinsamer Interessen, Pflege der Geselligkeit und zur gegenseitigen Hilfeleistung. In manchen Gegenden Deutschlands wurden auch Innungen (Einungen) und Zünfte als Gilde bezeichnet (v. a. seit dem 15./16. Jahrhundert synonym gebraucht). Die Anfänge reichen im Fränkischen Reich ins 8., in England ins 10., in Skandinavien ins 11. Jahrhundert zurück. Im Mittelalter gab es hauptsächlich Schutzgilden (gewährten dem Einzelnen Rechtsschutz), Gewerbegilden (Handwerks- und Kaufmannsgilden mit gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen; überragendes Beispiel: die Hanse), religiös-kultisch bestimmte Gilden (religiöse Bruderschaften) sowie besonders in Norddeutschland Bauerngilden. Mit der Herausbildung der modernen, liberal verfassten und marktwirtschaftlich funktionierenden Industriegesellschaft im 19. Jahrhundert waren die Gilden überholt; an ihre Stelle traten zum Teil Handwerksinnungen, Berufs- und Interessenverbände.
 
 
F. Lütge: Dt. Sozial- u. Wirtschaftsgesch. (31966, Nachdr. 1979);
 
G.n u. Zünfte. Kaufmänn. u. gewerbl. Genossenschaften im frühen u. hohen MA, hg. v. B. Schwineköper (1985).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Gewerbefreiheit statt Zunftzwang: Die Schranken fallen
 

* * *

Gịl|de, die; -, -n [aus dem Niederd. < mniederd. gilde = Innung; Trinkgelage, urspr. wahrsch. = gemeinsamer Trunk anlässlich eines abgeschlossenen Rechtsgeschäftes, zu ↑Geld od. ↑gelten]: 1. genossenschaftliche Vereinigung bes. von Kaufleuten u. Handwerkern od. Zusammenschluss von religiös Gleichgesinnten (bes. im MA.) zur Förderung gemeinsamer gewerblicher od. religiöser Interessen, auch zum gegenseitigen Schutz der Mitglieder: Zum damaligen Bürgertum gehörten in erster Linie die in Zünften, Innungen und -n organisierten Handwerker und Kaufleute (Fraenkel, Staat 66). 2. Gruppe von Leuten in gleichen Verhältnissen, mit gleichen Interessen, Absichten o. Ä.: Die Gefahr schmiedet die G. der Rennfahrer ... zusammen (Frankenberg, Fahrer 13); (oft scherzh.:) Willy Junghans gehört seit 1957 zur G. der Möblierten (DM 5, 1966, 3).

Universal-Lexikon. 2012.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • gilde — gilde …   Dictionnaire des rimes

  • Gilde — steht für: Gilde (Kaufleute), ein Zusammenschluss von Kaufleuten Zunft, eine ständische Körperschaft von Handwerkern Gilde (Biologie), eine Gruppe von Arten Gilde Brauerei, eine Brauerei in Hannover Die Gilde, ein Computerspiel des… …   Deutsch Wikipedia

  • gilde — → guilde ● guilde ou ghilde ou gilde nom féminin (latin médiéval gilda, du moyen néerlandais gilde, corporation) Au Moyen Âge, association groupant des marchands exerçant une profession commune. Association visant à procurer à ses adhérents de… …   Encyclopédie Universelle

  • Gilde — Gilde: Das Wort ist entweder eine Ableitung von dem unter ↑ Geld behandelten Substantiv oder aber eine unmittelbare Bildung zu dem unter ↑ gelten behandelten Verb und bedeutete ursprünglich wahrscheinlich »Opfergelage anlässlich einer… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Gilde — Sf erw. fach. (8. Jh., Standard 17. Jh.) Stammwort. Ursprünglich niederdeutsches Wort (mndd. gilde f./n. Brüderschaft, Gesellschaft ); ein Kollektiv in der gleichen Bedeutung liegt in ae. gegilda m. Kompanion, Genosse , anord. gildi m.… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Gilde — Gilde, 1) Auflage, Steuer, Abgabe; 2) freiwilliges od. Ehrengeschenk; 3) öffentliche, durch mancherlei Vorrechte begnadigte Gesellschaft, Brüderschaft, Verein; 4) Zunft, Innung, s.d.; daher Gildebriefe, Gildeherren, Gildemeister, Gildezwang, s.u …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Gilde — Gilde, im Mittelalter freie genossenschaftliche Vereinigung (Einung) gleichberechtigter Mitglieder zur Förderung ihrer gemeinsamen Interessen. Ihr Ursprung wird auf altheidnische, mit Opfern (gield, gildi) verbundene Trinkgelage zurückgeleitet.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Gilde — (altgerman.), Genossenschaft, geistliche oder weltliche Brüderschaft, Zunft, Innung …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Gilde — Gilde, altsächs., Verein, Zunft, Innung …   Herders Conversations-Lexikon

  • Gilde — Infobox Brand logo= name=Gilde type= Red meat currentowner=Nortura origin=Norway dicontinued= related= markets= Norway previousowners= 1959 Norges Kjøtt og Fleskesentral 1990 Norsk Kjøttsamvirke 2006 Nortura trademarkregistrations=… …   Wikipedia